Kaspar Foidl

Zu Lebzeiten schon fast eine Legende ... ein unvergessliches Original im Pillerseetal. Kaspar Foidl (geb. 24. Oktober 1918) war zu Lebzeiten schon fast eine Legende.

Als lediges Kind beim „Koiziacha" am Schradlbühel in Fieberbrunn aufgewachsenen, musste er schon während der Schulzeit Arbeit bei verschiedenen Bauern annehmen. Seine Frau Barbara, eine geborene Fleckl, heiratete er im Jahre 1947. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Greti, Annemarie und Georg, der heutige Kapellmeister der Knappenmusikkapelle Fieberbrunn. Beruflich war Kaspar Foidl als Oberbauarbeiter bei der ÖBB beschäftigt. Pflichterfüllung, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Humor mit Herz waren für ihn nicht nur leere Schlagworte sondern gelebte Tatsache.  

In der damaligen Zeit gab es für den jungen Kaspar Foidl natürlich nicht die Möglichkeit ein Instrument in einer Musikschule zu lernen. Mit großem Eifer und hoher Musikalität erreichte er jedoch ein musikalisches Niveau, welches ihn zur Aufnahme bei der Militärmusik Salzburg befähigte. Dort konnte er sein praktisches Wissen auf der Tuba erweitern und einiges über die Grundbegriffe der Musiktheorie erlernen. Die Tuba war sein Lieblingsinstrument, aber er spielte auch die Posaune bei der Musikkapelle, beim Kirchenchor und bei den verschiedensten Tanzmusikgruppen. Aber auch die Ziehharmonika beherrschte Kaspar Foidl und war nicht nur in den verschiedensten Besetzungen sondern auch als Alleinunterhalter stark gefragt. Kaum ein anderer schaffte es in kürzester Zeit mit seinem Spiel und Gesang sowie seinen humoristischen Einlagen eine Gesellschaft in gute Stimmung zu versetzten. Viele werden sich beim Lesen dieser Zeilen an die eine oder andere Episode bei Ausflügen oder diversen Veranstaltungen erinnern. Es gibt auch keine Musikkapelle im Pillerseetal, bei der Kaspar Foidl nicht ausgeholfen hat, wenn es Probleme bei der Besetzung der Tuba gab.

Kaum heimgekehrt aus der Kriegsgefangenschaft wurde Kaspar Foidl im Herbst des Jahres 1945 Kapellmeister der Knappenmusikkapelle Fieberbrunn. Fieberbrunn war nach dem Krieg einer der ersten Orte wo wieder regelmäßig und organisiert musiziert wurde. „Beschwerlich war es damals schon", weiß Georg Foidl zu berichten, der Vater erzählte ihm oft von der damaligen Zeit: „Es war fast kein Geld da und das Notenmaterial musste der Vater selber ergänzen bzw. abschreiben!" Die Musiker mussten damals auch oft nach Feierabend mit dem Rad abgeklappert werden, wenn unvorhergesehene Ausrückungen anstanden. Heute in der Zeit von Handy und Kopierer kann sich das fast keiner mehr vorstellen. Die Zeit war damals allerdings sicher auch nicht so hektisch und das Publikum und die Musiker nicht so kritisch wie heutzutage. Kaspar Foidl war bis zum Jahre 1965, also 20 Jahre lang, Kapellmeister und wurde für seine Verdienste auch zum Ehrenkapellmeister der Knappenmusikkapelle Fieberbrunn ernannt. Die Gemeinde Fieberbrunn überreichte Kaspar Foidl für seine vielen Verdienste den Ehrenring der Marktgemeinde.

Kaspar Foidl beschäftigte sich schon während seiner Zeit bei der Regimentsmusik und auch während der Kriegsgefangenschaft mit dem Komponieren. Die ersten Entwürfe für seinen Marsch „Des Heimkehrers Gruß" entstanden während der Gefangenschaft und wurden mit einfachsten Mitteln niedergeschrieben. Bald darauf komponierte er den Marsch „Unter dem Wildseeloder". Das Konzertstück „Ein Knappenleben" kann sicher als die Hauptkomposition von Kaspar Foidl angesehen werden. Dieses Stück wurde vom Tiroler Militärkapellmeister Hannes Apfolterer zeitgemäß arrangiert und von der Knappenmusikkapelle Fieberbrunn unter der Leitung von Georg Foidl im Jahre 2001 auf CD eingespielt. Auch ein Konzertwalzer „Grüß mir mein Pillerseetal" gehört zu den Kompositionen von Kaspar Foidl. Ein besonders gutes Gespür hatte Kaspar Foidl für Trauermarschkompositionen. Er komponierte aber immer „exklusiv" für die Knappenmusikkapelle Fieberbrunn und gab keines seiner Stücke an andere Kapellen weiter. Wenn dann komponierte er auf besonderen Wunsch und so kommt es das doch einige Kapellen auch im Besitz eines Trauermarsches von Kaspar Foidl sind. Besonders nach der CD-Aufnahme der Knappemusikkapelle Fieberbrunn im Jahre 2001, auf der sich auch der Trauermarsch „In Kühler Erde" befindet, wurden immer wieder Anfragen an den Sohn und jetzigen Kapellmeister Georg Foidl gerichtet ob dieses Stück nicht auch für andere Kapellen verfügbar wäre. Georg Foidl hat sich daher entschlossen den Trauermarsch, das Konzertstück „Ein Knappenleben" und den Marsch „Unter dem Wildseeloder" auch an andere Kapellen weiterzugeben. „Meiner Meinung nach ist es die größte Wertschätzung für einen Komponisten, wenn die Nachfrage nach seinen Stücken besteht," erklärt Georg Foidl und er fügt hinzu: „Es gibt ohnedies noch genügend Werke von Kaspar Foidl die ausschließlich die Knappenmusikkapelle Fieberbrunn besitzt!" Diese Vielzahl von Eigenkompositionen erinnern uns an sein Talent und musikalisches Wirken. Kaspar verstarb am 19. August 1991 im 73. Lebensjahr. Eine unüberschaubare Anzahl von Trauergästen vor allem aber Musikanten aus den Musikbezirken erwiesen einem Manne der stets großes Ansehen genoß die Ehre des letzten Geleits.

Wir werden Ihm ein ehrendes Andenken bewahren!


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